Die richtige Kultur von Pinguicula (Fettkraut)


Pinguicula lusitanica
Pinguicula lusitanica

Pinguicula, das Fettkraut, umfasst ca. 85 Arten. Hauptsächlich finden sich die Arten dieser Gattung in Südamerika. Allerdings gibt es auch in Europa zahlreiche Arten wovon mit Pinguicula  alpina und Pinguicula vulgaris zwei auch in Deutschland heimisch sind.

 

Bei der Kultur von Pinguicula muss berücksichtigt werden aus welcher Klimazone die Pflanze stammt. Unterschieden wird dabei zwischen Arten aus tropischen Gebieten, die sich hauptsächlich in Mexiko befinden, und Arten aus temperierten Gebieten, z.B. Europa oder Nordamerika.

Arten aus temperierten Regionen..

Als temperierte Regionen werden Klimazonen bezeichnet in denen die Sommerzeit warm mit >20°C und die Wintermonate kühl, mit Temperaturen unter 0°C, sind.
Pinguicula aus diesen Gebieten benötigen auch in der heimischen Kultur entsprechende warme und kühle Temperaturen je nach Jahreszeit. Eine Kultur im Freiland (Moorbeet, Teichrand) ist bei vielen europäischen Arten problemlos möglich. Nazütlich muss man hierbei auf den richtigen Standort im Garten und das passende Substrat achten!


Die Pflanzen ziehen sich zum Herbst hin eine kompakte Überwinterungsknospe zurück und treiben erst im Frühjahr wieder aus. In dieser Ruheperiode werden an der Mutterzwiebel zahlreiche Tochterzwiebeln ausgebildet, sogenannte Brutknospen. Diese dienen der vegetativen Vermehrung der Pflanze und können im Frühjahr vorichtig abgetrennt und umgepflanzt werden, in dieser Jahreszeit besitzen die Knospen keinerlei Wurzeln und sind dementsprechend wenig empfindlich gegen Pikierarbeiten.
Europäische Arten haben keine besonderen Ansprüche an die Lichtverhältnisse. Bei einem Standort im Freien ist alles möglich von schattig bis vollsonnig.
Die Pflanzen sollten in den stets sehr feucht bis nass stehen, wobei bei Topfkultur das Substrat im Winter nur noch leicht feucht gehalten werden sollte. Das "EINE" richtige Substrat gibt es allerdings nicht und somit basiert unsere Substratmischung auf Erfahrungen vergangener Jahre. Die Basis unserer Substrates für winterharte Pinguicula besteht aus einer Mischung von Weißtorf und großen Teilen Perlite, Quarzsand und Bimskies, sodass es sehr mineralisch und locker ist.

Beim großblütigen Fettkraut (P. grandiflora) mischen wir zudem Dolomitsplitt/Dolomitkalk als Kalziumquelle mit unter und fahren damit sehr gut.
Bei Beachtung dieser Punkte sollte ihnen die Kultur vom Fettkraut aus temperierten Gebieten keine Schwierigkeiten bereiten!

Mexikanische Pinguicula...

Pinguicula laueana
Pinguicula laueana


Wenn man von tropischen Pinguicula spricht, handelt es sich meißt um Arten aus dem mexikanischen Hochland. Viele dieser Arten sind heterophyll, das bedeutet, es werden je nach Jahreszeit zwei Arten von Blättern gebildet.

Im warmen, feuchten Sommer werden große, klebende Fangblätter ausgebildet während im trockenen, kühleren Winter Rosetten aus nicht karnivoren, sukkulenten Winterblättern entstehen.
Die Bewässerung unterscheidet sich ebenso je nach Jahreszeit. In den warmen Sommermonaten sollten die Pflanzen stets feucht gehalten werden, auch ein leichter Anstau ist dabei möglich!

Im kühleren, frostfreien Winter (10-15°C) sollte die Bewässerung nahezu komplett eingestellt werden, da die Pflanzenwurzeln sonst rasch verfaulen und zum Tod der Pflanze führen. In dieser Zeit erinnert ein mexikanisches Fettkraut eher an eine gewöhnliche Sukkulente als an eine fleischfressende Pflanze.
Im Gegensatz zu temperierten Arten nutzen wir für die Kultur tropischer Arten ein rein mineralisches Substrat ganz ohne Torf. Wir verwenden für alle Arten die gleiche Mischung aus Quarzsand, Perlite, Vermiculite, Bimskies, Zeolith und Travertinsplitt als Kalziumquelle.
Sicher sind auch andere Substratmischungen möglich, wir fahren mit genannter Mischung aber bei allen tropischen Arten sehr gut. Der Verzicht von Torf erleichert zudem das Wiederaufnehmen der Bewässerung im Frühjahr, da stark ausgetrockneter Torf nach der Winterperiode nur schwierig wieder zu befeuchten ist.
Im Sommer sollten tropische Arten halbschattig bis schattig stehen. Direkte Sonner sollte vermieden werden, da sich dabei das Substrat schnell zu stark erhitzt und die Pflanzen nicht wirklich gedeihen und sogar eingehen können. Lufttemperaturen bis 30°C sind ok, idealerweise sollten aber 25 °C nicht dauerhaft überschritten werden. Bitte beachten Sie, dass sich die meist schwarzen Töpfe bei 30°C Lufttemperatur in voller Sonne deutlich stärker erhitzen!
Im Winter sollten die Pflanzen möglichst hell stehen, nutzen sie idealerweise eine Zusatzbeleuchtung. Wir verwenden handelsübliche Leuchtsoffröhren mit den Farbkodierungen 840 und 865 (Phillips). Temperaturen zwischen 10-15°C sind optimal und führen bei ausreichend trockener Kultur zur Ausbildung einer kräftigen Winterrosette. Einige Arten blühen nur (!)  aus ihrer Winterrosette und benötigen dementsprechend gute Lichtverhältnisse im Winter! Dazu zählen z.B. P. gracilis, P. rotundifolia oder P. crassifolia.

Mit steigenden Temperaturen im Frühling können die Pflanzen wieder langsam feuchter gehalten werden.
Beachtet man diese Punkte, gelingt die Kultur aller tropischen Pinguicula, die wir anbieten, wirklich jedem!